SILLY VENTURE 2k14

SILLY VENTURE 2k14 REZENSION IM RETURN MAGAZIN #1/2

Danzig: Eine Stadt im Schatten des Fuji

Im kommunistisch regierten Polen (1946 bis 1989) war es relativ schwer, einen der begehrten Heimcomputer zu ergattern. In der ersten Hälfte der 1980er Jahre kamen zwar erste Lieferungen des relativ preisgünstigen ZX Spectrum ins Land, der für die meisten Anhänger der Computerkunst allerdings immer noch unerschwinglich blieb. Ein ZX Spectrum kostete damals rund 130 US-Dollar – in Anbetracht eines durchschnittlichen Monatsverdienstes von umgerechnet 13 US-Dollar ein wahres Luxusgut. Ein Atari 800XL oder der Commodore 64, dessen Ruhm durch zahlreiche Spiele sowie den grandiosen SID-Soundchip noch vor Verfügbarkeit durch den eisernen Vorhang gesickert war, kostete noch viel mehr. Später wurde die Palette um die neueren Modelle 800XE, 65XE und 130XE erweitert.

Die Beliebtheit dieser kleinen Rechner blieb in Polen selbst nach Erscheinen der weitaus leistungsfähigeren Nachfolger Atari ST und Amiga 500 ungebrochen. Der Hauptgrund für die anhaltende Popularität war, dass die 8-Bit-Varianten der Atari-Rechner dauerhaft im Pewex-Sortiment zu finden waren. Bei Pewex handelte es sich um eine landesweite Kette westlich orientierter Kaufhäuser, in denen Produkte für die breite Bevölkerung angeboten wurden, die den Stil des «luxuriösen westlichen Lebens» verkörperten. Dazu gehörten natürlich auch Heimcomputer, die man dort für aus dem Westen mitgebrachte Devisen, beziehungsweise ihr kommunistisches Äquivalent (die Bons), ergattern konnte. Niemand hat eine Statistik der verkauften Exemplare geführt, doch kann man davon ausgehen, dass es im Land an der Weichsel sehr viele gewesen sind – wahrscheinlich deutlich mehr als in benachbarten Ländern. Etwas anders verhielt es sich mit den großen 16- und 32-Bit-Varianten. Diese wurden zwar auch nach Polen geliefert und dort verkauft, allerdings hauptsächlich an professionelle Grafiker oder an Musiker, die kompatible Hardware für den MIDI-Standard benötigten. Gelegentlich bekam man auch eine der mobilen Lynx-Konsolen oder den Mini-PC Atari Portfolio zu Gesicht, der durch seine kompakten Maße beeindruckte. Auch Ataris 64-Bit-Flagschiff Jaguar wurde in Polen durch die Firma Mirage angeboten. Obwohl die Welt sich damals eher in Richtung Amiga und später Windows-PCs orientierte, träumten die meisten polnischen Computerfans weiterhin von kostspieliger Atari-Hardware – allen voran dem Atari Falcon.

Das Highlight: Die Party in der Sporthalle

Die gegenwärtigen Demopartys haben sich aus kleinen Wochenendtreffen entwickelt, bei denen es in erster Linie um den Austausch von Kenntnissen und Software ging. Die Partys, auf denen meist alle Hardware-Plattformen berücksichtigt wurde, fanden entweder in Kongresszentren, Sporthallen oder auf Basaren statt. Dies hat sich geändert, denn mittlerweile werden hauptsächlich Clubs ausgewählt, die nicht nur über Videobeamer und Soundanlagen verfügen, sondern auch einfach und günstig anzumieten sind.

Die SillyVenture feiert eine friedliche Koexistenz mit anderen Demoszene-Partys in Polen. Zu nennen sind hier die Multi-Plattform-Party «Riverwash», die drei Atari-Treffen «Głuchołazy», «Fortification/Grzybsoniada» und «Wapniak» sowie das Commodore-Treffen «Stary Piernik».
Doch die SillyVenture in Danzig ist in ihrer Tradition etwas Besonderes. Als einzige Demoparty in Polen findet sie in der Sporthalle einer Grundschule statt, die dann bis unter die Decke mit Atari-Hardware vollgestopft wird. An jeder Ecke treffen die Besucher auf VCS-» (..)


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(..) oder Jaguar-Konsolen und den Klassiker unter den Atari-Maschinen: den Atari 800, der sich in seinem creme-braunen Gehäuse von den anderen Maschinen abhebt. Als Exoten sind auch der Atari Falcon sowie Amiga- und Amstrad-Computer vertreten – insgesamt ein Anblick, der den Vergleich zu manch einem Museum oder den umfangreichen Sammlungen großer Retroclubs nicht scheuen müssen.

SillyVenture: Auf die Plätze, fertig, los!

Im Eingangsbereich erhielt man nach Entrichtung des Eintrittspreises in Höhe von 60 Zloty (circa 15 Euro) eine ID-Karte für die Veranstaltung sowie als Bonus eine schöne Nummernschildhalterung mit dem Aufdruck «Have You Played Atari Today?». Außerdem wurden die offiziellen T-Shirts zur Party mit SillyVenture-2014-Aufdruck an alle Vorbesteller verteilt.
Dann ging es schon los mit dem dreitägigen Treffen, das ein Highlight nach dem anderen bot. Bevor das Highlight – also die Präsentation der Competition-Beiträge – stattfand, luden Grey und die Gruppe der Organisatoren die Teilnehmer zu einem Trip in den Kwadratowa-Klub ein. Dort präsentierte der Musiker Stu ein Set auf zwei Atari-ST-Computern. Auf der SillyVenture selbst berichtete der legendäre polnische Wave-Musiker Sławomir Losowski (Mitglied der Gruppe «Kombi» und Produzent vieler polnischer Hits) von seiner Zeit mit Cubase auf dem Atari ST. Der zweite eingeladene Gast, der in Polen bekannte Rapper Liroy, gab ebenfalls Details seiner Arbeit preis, die größtenteils am Atari Falcon entstand.

Während der Wartezeit auf die Competitions konnte man sich mit Retro-Gadgets eindecken. So wurden beispielsweise von savethefloppy.com Loungetische im Diskettenlook oder Metallplakate in Diskettenform angeboten. Wer wollte, konnte seinen Atari-Rechner vor Ort von einem Elektroniker aufrüsten lassen – der Bastler Lotharek offerierte hier seine Dienste: 1-MB-RAM-Aufrüstung, Einbau einer VBXE-Grafikkarte, Dual-Stereo-Pokey- oder Covox-Upgrade sowie Rapidus-Tuning. Die Auswahl von Peripheriegeräten war ebenfalls nicht ohne: SIO2USB-Interfaces (PC), Speicherkartenleser für kleine und große Ataris und sogar der MIST – ein FPGA-Hardware-Emulator, der den Atari ST, Amiga und ein Dutzend 8-Bit-Computer und Spielekonsolen emulieren kann. Mit ein wenig Glück konnte man auch eines der begehrten Skunkboards für den Jaguar sowie einige neue Spiele auf CD wie Elensar, Philia oder Yopaz erwerben.

Den Samstagabend dominierten dann die Competitions. Eigentlich war es sogar ein Competition-Marathon, denn die letzten Einreichungen wurde im 4:30 Uhr am Sonntagmorgen präsentiert. Insgesamt kamen 220 Beiträge zusammen – die meisten fielen auf die Bereiche Musik oder Grafik für 8-Bit-Atari-Systeme, den Atari ST oder Falcon. Die SillyVenture ist aber auch bekannt dafür, dass Hardware-Erweiterungen ebenfalls berücksichtigt werden. So wurden Arbeiten für die VBXE-Grafikkarte gezeigt und unter den Musikstücken auch solche, die mit speziellen Trackern auf dem Falcon komponiert wurden. Ebenfalls Thema war 1-Bit-Musik, abgespielt auf dem GTIA des Atari XL/XE. Gut angenommen wurden auch Intros, die vom Speicherplatzumfang lediglich den Bootblock einer Atari-ST-Diskette einnahmen.
Für den 8-Bit-Atari starteten drei Coding-Competitions: «256-Byte-Intros», «16-Kilobyte-Intros» und «Demos». Die meisten der zwölf Beiträge bewegten sich hier auf sehr hohem Niveau. Auf dem Atari STE wurden die meisten Arbeiten in den Kategorien «96 Kilobyte» sowie «Demo» präsentiert. Das Highlight aber waren wohl die sieben Spiele und vier Demos auf dem Atari Falcon. Eine echte Überraschung war die Gruppe TBL mit der flüssig laufenden Portierung ihrer Demo Rift vom Amiga 1200/060 auf einen Falcon 060.

Die auf Papierbögen abgegebenen Votings wurden im Morgengrauen ausgewertet. Die Ergebnisse spiegelten das qualitative Kopf-an-Kopf-Rennen wider, das sich viele Beiträge untereinander geliefert haben. In den meisten Kategorien konnte der Sieg lediglich mit einem hauchdünnen Vorsprung eingefahren werden.

Es bleibt zu hoffen, dass der Erfolg der Party und das Niveau der eingereichten Beiträge in einer erfolgreichen SillyVenture 2k15 resultieren, an der wieder viele Besucher teilnehmen werden».